Unterwassergeburt im Landesklinikum Hainburg

HAINBURG – Am 13.01.2020 ereignete sich an der Hainburger Geburtenabteilung ein besonderer Moment. Das erste Hainburger Unterwasserbaby bekam – und auch wieder unter Wasser – ihrerseits ihr Baby. Die glückliche Familie stellte uns Bilder zur Verfügung und gab uns damit die Möglichkeit, einen Vergleich zwischen heute und damals anzustellen.

Wir fragten bei Prim. Dr. Gottfried Gamperl, dem Vorstand der Gynäkologisch-Geburtshilflichen Abteilung am Landesklinikum Hainburg nach:

Seit wann werden Unterwassergeburten in Hainburg durchgeführt und was hat sich seither geändert?

G.G: Die 1. Unterwassergeburt in Hainburg fand im Jahr 1988 statt. Damals war es in Österreich noch eine absolute Rarität in dieser Weise zu gebären und stellte einen ziemlichen organisatorischen Aufwand für das Behandlungsteam dar!  1988 war es noch nötig, für diese - damals erste - Unterwasser-Geburt in den Stationsbereich der Physikalischen Therapie „auszuwandern“, um dort in einer riesigen sogenannten „Schmetterlingswanne“ zu entbinden.

Der kleine Tobias hingegen konnte in unserer Entspannungswanne im Kreißsaalbereich in das Licht der Welt auftauchen. Mutter und Kind sind wohl auf und das gesamte geburtshilfliche Betreuungsteam freut sich natürlich mit der Familie.

Hat sich diese Geburtsform bewährt?

G.G:  Diese Entbindungsart ist mittlerweile eine anerkannte Möglichkeit geworden, Schmerzlinderung unter der Geburt durch die Entspannung im warmen Wasser zu erreichen. Besonders während der Eröffnungsphase, führt die unter Wasser verminderte Schwerkraft zu mehr Bewegungsfreiheit und auch eine leichtere Erweiterung des Beckenrings.  Aus diesem Grund stellt die Entspannungswanne eine Alternative zu Medikamentengabe oder Kreuzstich dar.

Kann auch die Geburt selbst unter Wasser stattfinden?

G.G:  Während der Austreibungsphase und der Geburt ist wohl eine aufrechte Position mit Unterstützung durch die Schwerkraft meist hilfreicher, allerdings ist auch diese Phase grundsätzlich unter Wasser möglich.  Da aber nicht in allen Fällen eine Unterwassergeburt empfehlenswert ist und in ganz besonderen Situationen sogar davon abgeraten werden muss, sollten die Voraussetzungen für diesen Entbindungsmodus schon im Vorfeld mit der Abteilung besprochen werden.  Die Terminambulanz in der 38.SSW stellt die perfekte Möglichkeit dar, mit Hebammen und Ärzteschaft darüber im Detail zu sprechen.

Möchten Sie diese Entbindungsform forcieren, bzw. wie stehen Sie zum oft thematisierten Selbstbestimmungsrecht in der Medizin?

G.G.: Besonders bewerben wollen wir die Unterwassergeburt nicht, aber natürlich berücksichtigen wir nach Möglichkeit diesbezügliche Wünsche.

Ja, das Selbstbestimmungsrecht ist speziell in der Geburtshilfe ein überaus wichtiger Aspekt und wir sind uns bewusst, welche Bedeutung die Geburt für Mutter und Kind hat - das kann man gar nicht hoch genug ansetzen! Man darf allerdings auch nicht vergessen, welche Anforderungen tagtäglich an das medizinische und pflegerische Personal in Kliniken gestellt werden, denn einerseits fordern alle und das durchaus zu Recht, eine möglichst 100% Sicherheit in der Medizin, andrerseits aber erwarten auch alle, dass ein zutiefst natürlicher Vorgang,  wie es eine Geburt ja nun wirklich darstellt, nicht sozusagen medizinisiert wird – eine schon recht anspruchsvolle Übung! 

 

Faktenbox

Eröffnungsperiode: ist jene Phase der Geburt, in der sich der Muttermund von 0 auf 10cm öffnet

Austreibungsperiode: beginnend bei vollständig eröffnetem Muttermund bis zur Geburt

Österreichisches Geburtenregister: eine Organisation, die sich das Ziel gesetzt hat, die Qualität aller geburtshilflichen Abteilungen zu verbessern. Dies geschieht dadurch, dass die Ergebnisse aller Krankenhausgeburten Österreichs (2018:  85.629 Kinder) statistisch aufgearbeitet, verglichen und bewertet werden. Bei Auffälligkeiten in den Daten tritt ein dafür zuständiges Gremium mit der betreffenden Abteilung in Kontakt und schlägt entsprechende Maßnahmen vor. https://www.iet.at


BILDTEXT: Eltern mit Hebamme Eva Bauer.

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Landesklinikum Hainburg
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